Samstag, 19. Mai 2012

Octaman kommt in Juni


Es geht weiter bei der Trivialfilm Kollektion und bleibt tierisch! Die Ausstattung der Veröffentlichung:
DVD 1
  • Bildformat: 1.33:1 Vollbild
  • Ton: Deutsch
  • Laufzeit: ca. 75 Minuten
  • Featurette: "Der Monstermacher - Ein Interview mit Doug Beswick" (Engl. mit dt. UT)
  • Featurette: "It came from Bronson Canyon" (Engl. mit dt. UT)
  • Vorwort von Jörg Buttgereit mit Kurzfilm
  • Bildergalerie
  • Originalvorspann
  • Booklet mit einem Interview mit Rick Baker
  • Exklusive Lentikularkarte

DVD 2
  • Bildformat: 1.85:1 (anamorph)
  • Ton: Deutsch
  • Laufzeit: ca. 75 Minuten

Die Doppel-DVD Edition ist limitiert auf 1000 Stück und erscheint im Juni 2012.

Mantis In Lace (Laila - Vampir der Lust - 1968)

Halali und halala, jagen ging die Lailaila!
Mit der Nummer sechs der Grindhouse Collection serviert uns Subkultur Entertainment einen bizarren Drogencocktail aus Sleaze, Wahnsinn und Slasher. Filmgewordener Unrat ergießt sich über den Zuschauer und wer schon bei "Sexualrausch" ("The Toy Box" - 1971) seinen Spaß gehabt hat, kommt hier sicherlich auch auf seine Kosten!
Zunächst darf man die gewohnt großartige Aufmachung bewundern und sich von herrlich verschimmelten Trailern verzücken lassen. Da haben wir "Pretty Lady Damned to Kill" (1969), einen Shawfilm mit Bruce Lee, "The Corpse Grinders" (1972), "Danger - Keine Zeit zum Sterben" (1984) und "Milano... difendersi o morire" (1978). 
Außerdem gibt es wieder passend auf den Film abgestimmte neue Fakespots. Zum einen den Stripschuppen "Zur prallen Wurst" (mit sensationaller Vertonung!) und eine fiebrige Einstellung zu einem "Hallo Wach" - Mittelchen. 
deutsche Kinofassung

Im Booklet beschäftigt sich Caspar Lein mit Drogen, Hippies und Filmen über Drogen oder Hippies, aber auch der amerikanischen Softsexfilmentwicklung.
Zudem finden sich 2 Versionen des Films auf der DVD. Die deutsche Kinofassung mit originaler Synchronisation, die einen spröderen Eindruck macht, einen völlig anderen Beginn hat und wesentlich weniger Nudität zeigt, und die US-Fassung, die über 10 Minuten länger ist und in einer wirklich tollen Qualität kommt. Da fragt man sich, wo sind die 40 Jahre geblieben?
Die US-Fassung ist im Originalton mit deutschen Untertiteln, sodass wirklich alles an Board ist und für jeden was dabei ist! 
Interessant ist, wie sehr sich doch beide Fassungen voneinander unterscheiden, daher ist das Vorhandensein eine unglaubliche Bereicherung!
Als Hidden Feature gibt es eine extrem obskure Dokumentation über LSD und die fährt alles auf, was in dem popkulturellen Zusammenhang möglich ist! Verrückte Hippies, okkulte Rituale, biochemische Wirkungen. Auf 25 Minuten bekommt man also einen ganz einzigartigen Einblick in zeitgenössische Blickwinkel. Eine wirklich tolle Dreingabe, die extrem seltsam ist, aber mit fantastischer Musik unterlegt ist!
US-Fassung - Laila beim Typen mit dem Riesenklunker im Ohr
Ein Audiokommentar ist auch wieder dabei. Pelle Felsch (bekannt aus den Booklets und dem AK zu "Sexualrausch") und das Mastermind hinter Subkultur Entertainment, Tino Zimmermann, selbst nehmen Platz hinter den Mikrofonen und plaudern über den Streifen, die Darsteller und darüber, wie es so hinter den Kulissen von Subkultur so abgeht.
Was Aufmachung und Austattung betrifft, hält man weiterhin das Niveau, verwöhnt den Filmfreund und liefert ein vorzügliches Produkt ab!
Aber kommen wir zum eigentlichen Film. Wir haben hier wieder einen Sleazehammer, der völlig stumpfen Sorte, oder auch nicht?
Es geht um Laila. Laila ist Stripperin in einem Schuppen und hat, wie wir aus dem deutschen Vorspann wissen, eine Abneigung gegen schwammige, quallenartige Dinge. Warum das wichtig ist? Keine Ahnung, aber im späteren Verlauf erzählt sie uns auch noch, dass sie Gurken, Bananen und Melonen hasst. Man merkt also, dass die Dame nicht grade den geistig gefestigtsten (bitte laut aussprechen, während ihr diese Zeilen lest) Eindruck macht! Weil sie auch noch nymphomanisch veranlagt ist, findet sie in so einem Etablissement natürlich denkbar einfach Opfer.
Dumm nur, wenn man einer labilen Frau dann noch LSD anbietet, sodass sie völlig durchdreht und langsam Gefallen an diesem rituellen Vorgehen findet.
Die Dialoge sollte man sich hier unbedingt mit der deutschen Kinosynchro geben - große Dichter hätten nicht subtiler vorgehen können!!! 
Aber was zu Beginn noch am positivsten ins Auge oder vielmehr ins Ohr sticht, das ist der Titelsong von Lynn Harper. Schmissiges Ding, das man sich auch an dieser Stelle online anhören kann. Aber die restliche Musik des Streifens, von Vic Lance (bekannt aus "Astro Zombies" (1969)), weiß ebenfalls zu begeistern. Swingende Stücke, aber auch klassische Fahrstuhlmusik bekommt man und erkennt deutlich, dass dieser Streifen für Tarantino bei "Death Proof" (2007) garantiert Pate stand. Für den Zwillingsbruder des Grindhouse-Revivals "Planet Terror" (2007) dürften die Stripteasetänze aber auch von Bedeutung gewesen sein. Wie man sieht, "Mantis In Lace" (1968) ist in jeglicher Hinsicht ein Original, das man bei der Entdeckungsreise durch das Grindhouse- und Bahnhofskino definitiv entdecken muss.
Natürlich ist der Film sehr simpel gestrickt. Es läuft immer nach Schema F: Es gibt Tänze, dumme Dialoge, dann geht es ab ins Bett, es wird LSD genommen, Laila spielt die Gottesanbeterin und danach rätselt die Polizei über die Morde. Aber was an Schauwerten geboten wird, ist wirklich toll. Zum einen die Tänze, die von einer tatsächlich sehr begabten Blondine dem testosterongeschwängerten Publikum dargeboten werden. 
Außerdem erhält man einen zeitgenössischen Einblick in die Drogenkultur der Spätsechsziger und in die halluzinogenen Szenen, spielt man mit Lichteffekten zum Teil sogar richtig filigran und künstlerisch herum. Das sieht cool aus, auch wenn es vermutlich vom 2 Jahre zuvor erschienen Corman-Drogen-Knaller "The Trip" (1967) entliehen ist.
Zudem treffen wir einen alten Bekannten wieder, nämlich Stuart Lancaster, der in etlichen Russ-Meyers-Streifen u.a. als Narrator vorkommt.
Auch wenn der Film Längen hat, wird man doch immer sehr gut unterhalten. Sei es nun, wenn Laila von birkenhaarwasserbeschmierten Widerlingen beglotzt wird oder sie den Spieß umdreht und handwerklich sehr deftig zur Tat schreitet. Es sind auch die kleinen schizoiden Zwischentöne, die ihren eigenen liminalen Zustand unterstreichen, wenn sie also eine völlig andere Wahrnehmung der Realität hat und denkt, dass sie mit einem Schraubenzieher auf ein Kissen, statt einen Lüstling, einsticht.
Sicherlich haben wir es hier mit keinem Meisterwerk zu tun, aber wie so oft, hier stimmt das Paket. Durch den kleinen Mikrokosmos, der mit der Doku, dem Audiokommentar oder den Trailern geschaffen wird, ist es ein Erlebnis, diesen Film zu sichten und sich weiter mit den Themen zu beschäftigen.
Eine tolle Veröffentlichung, an der es nichts zu meckern gibt. Daumen hoch!
Kiffende Stripperinnen 

Freitag, 27. April 2012

Grindhouse Collection Nr.6 "Mantis in Lace" (Laila - Vampir der Lust - 1968)!

Das Cover zum kommenden Titel in der Grindhouse Collection ist da! Der William Rotsler Film "Mantis in Lace"(1968) kommt erneut als deutsche Erstveröffentlichung für das Heimkino! Ein Veröffentlichungstermin ist noch nicht bekannt. Mit dabei ein Audiokommentar von Pelle Felsch und Tino Zimmermann! Weitere Informationen folgen, sobald sie verfügbar sind! 

Donnerstag, 12. April 2012

Zu Gast bei den Collaborativerockers

Ahoi!
Am Wochenende wird es wieder neue Besprechungen an dieser Stelle geben! Bis dahin gibt es drüben bei den Collaborativerockers einen fast 2 1/2 stündigen Podcast, in dem wir alle Bereiche der hier thematisierten Filme anscheiden. Und wenn ihr schon da seit, dann hört euch auch die anderen Episoden über Science Fiction, Cthulhu oder diverse Metalgenres an, es lohnt sich! 
Von mir auch noch einmal herzlichen Dank an Matthias und Christian für die Einladung. Es hat Spaß gemacht, auch wenn ich mir u.a. den groben Schnitzer erlaubt habe "Frogs" (1972) fälschlicherweise in die 80ern zu packen ;)
So long!

Donnerstag, 22. März 2012

Nosferatu im Kieler Studio-Filmtheater

Welch seltene Ehre wird diesem Meisterwerk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zuteil. "Nosferatu" (1922) 90 Jahre nach seiner Erstaufführung in Berlin noch einmal auf Großleinwand erleben zu können, das ist natürlich ein ganz besonderes Ereignis, dem man sich als geneigter Filmconnaisseur phantastischer Prägung nicht entziehen kann. Aber nicht nur der Film wurde aufgeführt. Um für die nötige Authentizität zu sorgen, engagierte das Kieler Studio-Filmtheater ein musikalisches Quartett bestehend aus dem Pianisten Dr. Werner Loll, Volker Linde an den elektronischen Saiteninstrumenten, Peter Weise am Schlagzeug und Ralf Lentschat am Blasgerät. Wie unschwer zu erkennen sein sollte, wird man damit nicht die ursprüngliche Begleitmusik vertonen können. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass sie damals schon Stromgitarren hatten. Ist aber egal, weil die  vier auf zum Teil Eigenkomponiertes, aber auch Klassisches zurückgriffen und um es vorweg zu nehmen: das hat wunderbar funktioniert.
Wie immer bei Veranstaltungen gab es einleitende Worte vom Team des Kinos, dieses Mal in schwarze Zylinder und Umhänge gehüllt. Überraschenderweise war der Saal fast vollständig gefüllt und einige dürften hier zum ersten Mal mit einem Stummfilm konfrontiert worden sein. Gezeigt wurde die von Luciano Berriatúa und der Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung rekonstruierte und restaurierte Fassung. Damit handelt es sich um die Version, die auch bei uns von Universum Film mit einer DVD-Auswertung gewürdigt wurde. 
Die viragierte Version wirkt auf Großleinwand einfach noch phantastischer und in Kombination mit der Livemusik, war es einfach wunderbar, diesen Klassiker noch einmal bewundern zu dürfen. Besonders die musikalische Untermalung der Szenen mit dem Wettlauf des Seuchenschiffes und Hutter war sehr gut. Mit dem Schlagzeug wurden einige Sequenzen gar hörspielartig unterlegt und die Stromgitarre entpuppte sich als nostalgisch und progressives Versatzstück zugleich. 
Zum Film selbst muss ich sicherlich keine Worte mehr verlieren. Ein Meisterwerk und Wegbereiter des phantastischen Films. Murnau ist einfach ein Großmeister seines Faches und es ist mehr als bedauerlich, dass über neun seiner Filme als verschollen gelten, bzw. nur fragmentarisch erhalten sind.
Überhaupt kann es den Veranstaltern nicht hoch genug angerechnet werden, so einen doch eher riskanten Streifen aufzuführen und wie man den Aussagen entnehmen kann, wird dies wohl auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass im Studio-Filmtheater ein Stummfilm lief.
Einzig ärgerlich war das viele Gelächter im Publikum. Offensichtlich waren einige mit dem Stummfilm, und dem damit inhärent expressiven Schauspiel der Darsteller, überfordert. Max Schreck als Nosferatu ist nicht witzig! Das ist ein verdammter Horrorfilm, auch wenn die antik wirkenden Effekte mit den konventiellen 0815-Sehgewohnheiten des normalen Kinogängers brechen. Ein bisschen mehr Respekt wäre da doch angebracht. Aber seis drum, mit den gekauften Kinokarten werden solche Veranstaltungen zumindest am Leben erhalten und dann muss man dümmliches Gelächter einfach ertragen. Leute lachen schließlich auch über Mario Barth. Zum Glück war die Akustik der Livemusik hinreichend laut, dass man nicht allzu oft das Gekicher wahr nahm.
Der einzige Feind des Filmnerds im Kino ist und bleibt der Mensch ;-)
Trotzdem war der Abend sehr gelungen, die 12€ waren nicht fehlinvenstiert und ein kurzer Plausch mit Peter Weise war auch noch drin.
Schöne Sache und wer beim Lesen Bock auf Stummfilme bekommen hat, der möge sich den dritten Podcast anhören, in dem ich neben "Nosferatu" auch über "Die Reise zum Mond" (1902), "Häxan" (1921) und "Körkarlen" (1921) rede.

Mittwoch, 14. März 2012

Zombiebunker Podcast #6

Heute über: Sternenkrieg im Weltall, Zinksärge für die Goldjungen, Galerie des Grauens, Gigant des Grauens, Die Bronx-Katzen, Black Mama White Mama, Suspiria, Inferno, Roger Corman Doku, Arte, ZDFkultur, I Walked With A Zombie.
Soundcloudlink
Podbeanlink
Oder wie immer bei iTunes im Feed.
Viel Spaß!

Donnerstag, 8. März 2012

Interview mit Subkultur Entertainment 2012

Es ist schon ein paar Tage her, seit wir das letzte Interview geführt haben. In der Zeit ist viel passiert und daher dreht sich das Interview natürlich um aktuelle Veröffentlichungen und Geplantes sowie Hintergründe zur Entstehung vergangener . Da gerade sehr viel passiert, emsig an den neuen Ankündigungen gewerkelt wird, bin ich selbstverständlich froh, dass es geklappt habt. Viel Spaß beim Lesen.


Zombiebunker: Moin moin! Nach dem letzten Interview sind fast 1,5 Jahre und 10 Veröffentlichungen vergangen. Die Grindhouse Collection und die Drive-In Classics laufen prima. Was hat dich in dieser Zeit am meisten überrascht?

Subkultur Entertainment: Überrascht war ich von deiner erneuten Interviewanfrage und dem noch anhaltenden Interesse an Subkultur. Es gab Höhen und Tiefen während dieser Zeit, da kann mich eigentlich nichts mehr überraschen.  

Z: Inwiefern hat sich die Arbeit mit Subkultur Entertainment im Gegensatz zum Beginn verändert? Habt ihr noch Zeit zum Schlafen?

SE: Am Anfang war es eine Menge Chaos. Alles war neu und viele Probleme tauchten auf, die man als Frischling nicht unbedingt wissen kann, aber aus denen man sehr schnell gelernt hat. Mittlerweile geht es mehr oder weniger Hand in Hand und jeder Beteiligte hat seinen Aufgabenbereich. Das macht es einfacher und es erlaubt auch nebensächliche Dinge, wie z.B. das Schlafen.

Z: Was lief nicht so toll in der vergangenen Zeit? Gab es bei einigen Projekten besondere Probleme bzw. musstet ihr gar eine Veröffentlichung verwerfen?

SE: An wirklich gravierende Probleme kann ich mich nicht erinnern, aber alles birgt seine Tücken. Es gibt viele Dinge, die einen nicht wirklich überraschen, aber die für Verwunderung sorgen.  

Z: Auf welche Veröffentlichung bist du besonders stolz und warum?

SE: Auf alle. Sie sind alle mühevoll entstanden und jede einzelne DVD kann ihre eigene Geschichte erzählen. Da gibt es keine ganz besondere Scheibe.

Z: Was war das Verrückteste, was du im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung erlebt hast?

SE: Verrückt ist eigentlich das falsche Wort, doch wirklich verrückt ist die Resonanz auf "Sexualrausch". Dieser „Film“ war ein heißer Kandidat, da er polarisiert. Man liebt ihn oder man kann nichts mit ihm anfangen. Dazwischen gibt es nichts. Während in den Internetforen teilweise Sprachlosigkeit und Abscheu erwidert wurde, prasseln täglich E-Mails auf uns ein, die alleine nur diesem Film gewidmet sind. Das ist schon etwas merkwürdig, aber natürlich auch erfreulich.  

Z: Während der Arbeiten an den Streifen wurden auch immer mal wieder Interviews von euch produziert. Wie muss man sich solch eine transatlantische Zusammenarbeit vorstellen? Wie hoch ist der Stellenwert solcher Produktionen für eure Veröffentlichungen?

SE: Na ja, wir hecken die Ideen gemeinsam mit Elijah Drenner aus, der im Endeffekt auch die Idee dann in die Tat umsetzen muss. Es macht eine Menge Spaß, Beteiligte ausfindig zu machen und ihren Erinnerungen eine Plattform zu bieten. Meistens klappt das auch ganz gut, bis auf wenige Ausnahmen, wo einfach keinerlei Interesse besteht. Wichtig ist uns einfach, jedem Film ein kleines Treatment zu geben und solange wir das verwirklichen können, machen wir das auch. Nicht alles ist umsetzbar, da einige Dinge wirklich immens das Budget sprengen würden, aber bisher wurde immer ein wunderbarer Kompromiss gefunden, der im Ergebnis wunderbar funktionierte.  

Z: Der Corma-Film "Gesandter des Grauens" war mit 500 Einheiten der erste Titel der Drive-In Classics. Mittlerweile ist diese Veröffentlichung zu einem begehrten Sammlerstück geworden. Eigentlich doch schade, dass man davon nicht mehr bringen konnte, oder?

SE: Natürlich ist es schade, aber wenn nicht mehr möglich ist, ist eben nicht mehr möglich. Da kann man noch so schimpfen oder Trübsal blasen, aber wir haben nur die Menge produziert, die wir produzieren durften. Dass es so stark losgeht, konnte ja keiner wirklich vorhersehen.

Z: Bleiben wir bei "Gesandter des Grauens" - da hat Mike Siegel einen fantastischen Audiokommentar beigesteuert. Werden wir ihn irgendwann noch einmal wiedersehen bzw. -hören?

SE: Wenn es in beide Terminkalender passt, wird Mike in Zukunft mit Sicherheit wieder dabei sein. Aktuell hoffe ich auf seine erneute Beteiligung bei einem Film, da es in seinen Wissensbereich fällt. Vielleicht klappt es ja.

Z: Apropos Audiokommentar. Da haben wir ja mittlerweile auch schon einige Personen erleben dürfen, von Jörg Buttgereit über Kai Nowak bis hin zu Pelle Felsch oder Christian Kessler. War es einfach, die Genannten für einen Audiokommentar zu begeistern?

SE: Es muss ja immer passen. Wenn ein Kommentator keinerlei Interesse an dem Film hat, lohnt es sich nicht, einen aufzunehmen, da das Ergebnis eben genauso desinteressiert klingen würde. Generell schwer ist es nicht, die Leute zu bekommen, aber es ist generell mal gar nicht so einfach, einen Audiokommentar zu verwirklichen. Das stellen sich viele zu leicht vor. Mal eben jemanden vor das Mikro setzen ist nicht sonderlich schwer, aber es muss eben zwischen Film und Sprecher harmonieren. Tut es das nicht, kann man es direkt sein lassen. Ein Audiokommentar nur des zusätzlichen Extras wegen ist nicht unser Plan.

Z: In der Grindhouse Collection darf sich ja der Zuschauer das sprichwörtliche Bahnhofskinoticket ziehen und wird mit Trailern und Werbung verzaubert. Nach welchen Kriterien sucht ihr die Trailer aus und wer kam auf die verrückten Ideen für die Werbung?

SE: Die Trailer spiegeln das wider, was die Kinogänger damals auch erlebt haben. Sex, Crime und eine Menge Gewalt. Je obskurer, umso besser. Die Werbeclips sind Ideen unseres Studios. Die Jungs haben viel Spaß daran, die Sau rauszulassen und das tun sie auch. Krebs-Zigaretten war noch eine gemeinsame Idee, doch ab dem süffigen Tourettinger haben sie gemacht, was sie wollten und das ist auch gut so.  

Z: Was ich mich schon immer gefragt habe: Wo habt ihr den Spot zu den Femizid-Handschuhen gedreht? Seid ihr in eine Zeitmaschine gestiegen oder habt ihr Rentner für diese geniale Location belästigen müssen?

SE: Die Location existiert exakt so auch heute noch. Wo das ist und wer die Drehgenehmigung gab, wird aber nicht verraten.  

Z: Was ist eigentlich aus Trudi Gimpel geworden? Gab es Probleme mit dem Gesundheitsamt?

SE: Trudi ist in Rente. Kurz vor dem Führungswechsel hat sie es noch mal krachen lassen. Du weißt schon, ins Essen der Gäste gespuckt, in den Kaffee gestrullert und solche Sachen. Ob Gisela so lange durchhält, weiß ich nicht. Trudi war lebensfroher und hat nicht alles so ernst genommen, worüber sich die Kunden beschwert hatten.  

Z: Zurück zu den ernsthaften Themen. Die Edition Deutsche Vita wird dieses Jahr ihren Startschuss mit der Special Edition von "Zinksärge für die Goldjungen" erhalten. Wann wird das sein und welche Titel sind in dieser Reihe vorerst außerdem noch geplant?

SE: Wann es ist, kann ich nicht sagen, da FilmArt das Projekt betreut. Vielleicht liegt die DVD ja schon vor uns, wenn du das Interview hier veröffentlichst. Die nächsten Titel sind ja schon bekannt. „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ und „Fluchtweg St. Pauli“ kommen danach und befinden sich in Vorbereitung. Was noch kommt, verrat ich nicht, da erst mal die ersten ihren Weg ins Regal finden sollen.

Z: Mit "Sternenkrieg im Weltall" begebt ihr euch erstmals nach Asien. Was gibt es zu dieser Veröffentlichung zu sagen und dürfen wir noch mehr Filme aus diesem Bereich erwarten?

SE: Sternenkrieg wird eine sehr schöne VÖ werden. Da steckt viel Ehrgeiz drin und ich glaube, das sieht man dem fertigen Produkt auch an. Aus dem asiatischen Bereich kommt sicherlich noch mehr, doch ich will nicht zu viel sagen, da diese DVDs enorm viel Zeit beanspruchen.  

Z: Bisher kennen wir von euren Veröffentlichungen die edlen Schuber und die Amaray als Standardumverpackung. Wollt ihr da in Zukunft auch mal auf neuen Pfaden wandern oder bleibt ihr euch treu?

SE: Der Drive-In-Schuber ist eine Sonderanfertigung und ziemlich teuer in dieser Auflagenstärke, daher wird es den nur bei den Drive-Ins geben. Andere Verpackungsarten werden aber auch kommen, das ist sicher, jedoch legen wir uns da eher kurzfristig fest.

Z: Die Grindhouse Collection neigt sich dem Ende, wird es noch einmal eine Serie von euch geben, die wir in einer schicken Box sammeln können? Welche Genres stehen in Zukunft auf der Speisekarte?

SE: Es ist eine Box in Planung, aber vielleicht wird das Konzept auch gekippt und wir bringen die dafür gedachten Titel einzeln. Schaun wir mal. In Zukunft erscheint ebenfalls das, was Spaß macht. Ich will da gar nicht so viel erzählen, denn dann tut es nicht weh, wenn es nichts wird, da nie jemand davon wusste.

Z: Vor Kurzem habt ihr bekannt gegeben, dass die Bronx-Katzen überraschend von euch in HD veröffentlicht werden. Wie kam es dazu? Wird diese Blu-Ray auch ein Lackmustest für weitere HD-Veröffentlichungen von Klassikern sein?


SE: Entgegen vielen Behauptungen haben wir uns ja nie gegen eine BluRay ausgesprochen. Ursprünglich waren zwei andere Titel als Startschuss vorgesehen, aber da entpuppte sich das versprochene HD Master als Upscale und wir haben es gelassen. Die Katzen sind ein kleines Projekt, wo extrem viel investiert wurde und noch wird. Wir produzieren eine Doku, die ca. 60 Minuten laufen wird und weitere Extras sind aufgetaucht, weshalb schon die Ausstattung ein Premium-Projekt wird. Das HD Master ist das kleine Sahnehäubchen, was bei Lizenzierung des Titels nicht mal spürbar in der Nähe verweilte. Und weil die Arbeit an dem Film und mit Jack Hill so unheimlich Spaß macht, wurde der Titel nun auserwählt. BluRay ist immer ein Thema und wenn es einen potenziellen Titel gibt, wird es nicht nur bei einer bleiben.

Z: Stichwort "Planet der toten Seelen": Dort habt ihr eine ebenfalls überraschende Kooperation mit Anolis angekündigt. Wie kam es dazu und wird es so etwas auch in Zukunft geben? Wie ist der derzeitige Stand hinsichtlich der Veröffentlichung?

SE: Beide Firmen haben den Film gleichzeitig lizensiert (ja, so was ist möglich) und da es zwei verschiedene Filmfassungen gibt, haben wir uns zusammengetan und produzieren die DVD gemeinsam. Erscheinen wird der Film als Doppel-DVD in den „Drive-In Classics“. Wann er erscheint, kann ich jedoch nicht beantworten, da sowohl Anolis als auch wir bis zum Hals in Arbeit stecken und andere Titel ganz einfach Priorität haben.

Z: Momentan darf man sich als Freund klassischer Genrefilme nicht gerade über einen Mangel an Veröffentlichungen beklagen. Unter anderem euch ist es ja zu verdanken, dass sie sich so gut etablieren konnten. Es springen mittlerweile aber auch andere auf den Zug auf. Seht ihr das als Bereicherung an, als Konkurrenz, um noch bessere Produkte abzuliefern? Oder besteht auch die Gefahr, dass die Welle, die durch die bisher qualitativ immer hochwertigen Veröffentlichungen erzeugt wurde, von lieblosen Outputs geschädigt werden könnte?

SE: Ob da eine Gefahr besteht, kann ich nicht beurteilen. Der Markt reinigt sich zwangsläufig immer selbst und die Zeit wird zeigen, ob eines Tages kein Interesse an solchen Produkten mehr herrscht. Rein persönlich sehe ich nur dann Konkurrenz, wenn jemand schamlos unsere Arbeiten 1:1 kopiert, aber das ist ja nicht der Fall. Wir haben das Rad ja auch nicht neu erfunden und ebenfalls unsere Vorbilder, daher sehe ich es eher gelassen. Wir kümmern uns um unsere Produkte, da diese genug Zeit beanspruchen. Schlussendlich ist es aber immer der Endkunde, der über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Wenn andere Produkte ebenfalls gefallen, dann hat der Filmfan doch nur gewonnen.

Z: Ich werde ja nicht müde zu erwähnen, was für ein Teufelskerl euer Grafiker ist. Bei jeder neuen DVD darf man sich über wunderschöne Plakatmotive auf den Covern freuen, die aber trotzdem besonders stimmungsvoll bearbeitet werden. Ist das mittlerweile schon euer Stil, der sich von anderen Genreveröffentlichungen unterscheidet?

SE: Na ja, Benny macht schon einen tollen Job, aber er hat die Plakatmotive ja nicht entworfen. Wir versuchen, bei jeder Veröffentlichung auf Originalmotive zurückzugreifen und zu fast jedem Film gab es verschiedene internationale Motive, die dann auch Verwendung finden. Es gibt aber auch Härtefälle, wie z.B. die Nummer 6 der „Drive-In Classics“, wo weltweit gar nichts bzw. nur großer Müll zu finden ist. Da haben wir ein Motiv von Rainer Engel zeichnen lassen, um überhaupt etwas zu haben und das Ergebnis sieht beinahe aus wie ein Originalmotiv, stammt aber aus 2012.

Z: Zuletzt kam von euch "Sexualrausch", ein völlig abgedrehter Film. Zu welchem Getränk würdest du jemandem raten, der ihn das erste Mal sieht?

SE: Wasser! Alles andere würde die Wirkung des Films verfälschen. Danach vielleicht einen doppelten Espresso, um das Gesehene zu verarbeiten.

Z: Lasst ihr euch von Filmvorschlägen der Filmfans inspirieren und seid ihr so schon einmal auf einen Titel gestoßen, den ihr gar nicht auf dem Zettel hattet, es sich aber lohnen würde, ihn zu bringen?

SE: Wir lesen die Vorschläge und es sind einige sehr interessante Dinge dabei. Doch bisher gab es nur einen einzigen Vorschlag, der uns wirklich dazu veranlasst hat, dafür zu recherchieren. Bisher zwar ohne Ergebnis, aber so schnell wird nicht aufgegeben.

Z: Als wir das letzte Mal das Interview führten, hast du davon gesprochen, was für eine harte Arbeit euer Restauratorenteam zu leisten hat. Speziell bei "Gesandter des Grauens" musste ja viel getan werden. Wurden die Arbeiten danach entspannter oder gab es noch einmal viel zu bewältigenden Aufwand bei einer anderen Veröffentlichung?

SE: Lass mal im Studio die Worte „Sternenkrieg im Weltall“ fallen und schau, was passiert! Japanische Filme, die in Deutschland schon mal eine Veröffentlichung spendiert bekommen haben, sind ein Mysterium für sich. Man kann quasi im Vorfeld schon sicher sein, es mit mindestens 2 verschiedenen Fassungen zu tun zu haben, doch „Sternenkrieg“ hatte stolze 4 Fassungen, die sich (weil es so schön fies ist) lediglich im Framebereich unterscheiden. So was sieht man erst, sobald alles auf dem Tisch liegt. Dem Studio wurde noch nicht verraten, dass es für den nächsten japanischen Film 4 internationale Kinofassungen gab und zusätzlich noch 3 verschiedene Videofassungen.  

Z: Okay, wollen wir mal eine Runde "Wünsch dir was" spielen. Wenn du nur einen einzigen Film veröffentlichen könntest und Lizenzen keine Rollen spielen würden: Welchen Film würdest du rausbringen und warum?

SE: DER KLEINE HOBBIT !!! Warum? Ich will mal Geld verdienen.

Z: Was habt ihr sonst noch so für dieses Jahr geplant? Halten sich die Verkäufe eigentlich stabil, sodass erst mal mit dem vorläufigen Fahrplan weitergemacht werden kann oder muss man sich Sorgen machen?

SE: Dieses Jahr beginnt ein neues Projekt, welches sich mal nicht so sehr auf die Nische konzentriert, sondern sich allgemein dem Schwarz-Weiß-Film widmet. Darauf freu ich mich schon ziemlich und hoffe, den Käufern gefällt es auch, wobei die meisten davon sicherlich nicht in Internetforen anzutreffen sind. Man wird sehen. Sorgen mach ich mir immer, denn der Markt ist überschaubar und jeder Titel birgt Risiken, die sehr weh tun können.  

Z: Was war das schönste Kompliment, das einer eurer Outputs gemacht wurde?

SE: Hui, da fragst du was. Explizit zu einem einzigen Titel kam bisher eigentlich nichts. Positive Reviews, zufriedene Kunden und leere Händlerregale sind aber ein schönes Kompliment.

Z: Dann möchte ich mich recht herzlich für das Interview bedanken, wünsche euch auch weiterhin viel Erfolg und Schaffenskraft bei den Scheiben!  

SE: Bis nächstes Jahr?

Z: Spätestens!

2 neue Titel von Subkultur "Galerie des Grauens" und "Sternenkrieg im Weltall"

Geschäftiges Treiben bei unseren Label-Lieblingen. Mit "Uchû kara no messêji" ("Sternenkrieg im Weltall"- 1978) erscheint der erste Teil der neuen Toei-Reihe! Im Digipack mit schönem Design in der ungekürzten japanischen Originalfassung und der rekonstruierten deutschen Kinofassung. Als Extras werden die Dokumentation "Message from Earth", der japanische und deutsche Originaltrailer,  eine Bildergalerie, ein Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Pelle Felsch sowie ein achtseitiges Booklet enthalten sein. Das passt natürlich nicht auf eine Scheibe, deswegen wird es eine Doppel-DVD. Limitiert ist "Sternenkrieg im Weltall" auf 2000 Stück.
Ich als Japanoskeptiker fasse das natürlich mit gemischten Gefühlen an, aber vertraue den Jungs von Subkultur hier, einen Kracher unters Volk bringen zu wollen.

Aber das war nicht die einzige Ankündigung heute. Die Drive-In Classics gehen in die sechste Runde! Es kommt "Dr. Terror's Gallery of Horrors" ("Galerie des Grauens" - 1967) mit unser aller Lieblingswerwolfdarsteller Lon Chaney Jr.. Als Extras bekommen wir eine Featurette: John Carradine – Galerie eines Schauspielers, die Nostalgiefassung, eine Bildergalerie und ein achtseitiges Booklet. Den Schuber schmückt ein exklusives Coverartwork von Rainer F. Engel. Limitiert ist "Galerie des Grauens" auf 1000 Stück. Ein Veröffentlichungstermin steht schon fest: Freitag, der 13. April 2012. YEAH!

Mittwoch, 7. März 2012

TV-Tipp "I Walked With A Zombie" (1943)

Es lohnt sich am Samstag, den 10. März, den Rekorder eurer Aufzeichnungsgeräte zu programmieren. Neben der bereits angekündigten Doku "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011) um 21:40 Uhr auf ARTE, wird ZDFkultur wenige Stunden später den Zombieklassiker von 1943 "I Walked With A Zombie" (Ich folgte einem Zombie) bringen. Es geht genau um 00:35 Uhr los (also im Grunde genommen Sonntag früh).
Der Streifen wurde in Deutschland bisher nur auf VHS veröffentlicht und stellt somit eine echte Rarität dar.
Selbst Horrorpunk Künstler wie Wednesday 13 haben diesem Film bereits Tribut gezollt. Leider funktioniert das Video bei Youtube nicht. Bedankt euch bei der GEMA.
Aber immerhin, GEZ zahlen lohnt sich, wenn man solche Genreperlen bekommt!

Freitag, 2. März 2012

Francesco Francavilla - Black Beetle


Freunde pulpiger Comickunst aufgepasst. Francesco Francavilla wird im April in der elften Ausgabe von Dark Horse Presents den ersten Teil seiner Story "Nightshift" veröffentlichen!
Die Geschichte spielt in den 40ern und beinhaltet sowohl Thriller-, Mysterie als auch Crime Noir - Elemente! Einen Endruck von seiner Arbeit und der Figur des Black Beetle kann man in seinem Webcomic "Kara Böcek" gewinnen.  Diese Geschichte soll außerdem demnächst auch noch einmal in Print aufgelegt werden. Als Autor, Zeichner, Letterer und Kolorist in Personalunion, zählt der außergewöhnliche Italiener momentan zu den beeindruckensten und auch arbeitsintensivsten Künstlern im internationalen Comicbereich. 
Neben dem interior design übernimmt er auch für viele Serie bei Dynamite Entertainment die Cover. Besonders bekannt dürfte er für Zorro, Green Hornet - Year One oder Black Panther (Marvel) sein. Aktuell hat er ein Variantcover bei der neuen, ebenfalls pulpigen Retroserie, The Spider gezeichnet:
Dass Francavilla weiß, wo seine Wurzeln liegen und anscheind auch etwas für das italienische Kino übrig hat, beweisen seine grandiosen Artworks zu Filmpostern, seien sie nun fiktiv oder nicht. Ein besonders schönes Beispiel ist das an "Terrore nello spazio" (Planet der Vampire - 1965) Plakat. Überhaupt hat er einen Stil, der sehr stark an das Kino der 60er und 70er Jahre erinnert. Man mag es kaum glauben, aber er erstellt sogar Lobbycards! 
Beim Interviewpodcast Word Ballon gibt es ein extrem hörenswertes Interview mit ihm. Allerdings ist das schon etwas älter (Mai 2011).
Überraschend wurde er für den Eagle Award nominiert, in der Kategorie "Favourit Newcomer Artist". Hier geht es zur Abstimmung. Außerdem bloggt er an allen Ecken und Enden. Zum einen ist der Blog Pulp Sunday sehr zu empfehlen bzw. der Blog zum Black Beetle. Sketche und Artworks an denen gearbeitet wird, kann man auf dem Sketchblog bewundern. Dort kann man auch Drucke seiner Arbeiten für relativ kleines Geld erwerben. Mal schauen, was in der Zukunft noch so von ihm kommen wird. Sein reduzierter Stil, der ihm schon Arbeiten an Detectiv Comics oder in Zusammenarbeit mit Ed Brukaker verschafft hat, überzeugt nicht nur in Geschichten, die in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts spielen. Schaut mal rein, ich finde, es lohnt sich extrem!

Donnerstag, 1. März 2012

Das Layout der Zinksärge

Zum Ausklappen und wunderschön. Das wird sicherlich eine Knallerveröffentlichung!

Die Farbe (2010)

Meine Begeisterung für den Independentfilm hielt sich schon immer in Grenzen und mit dem deutschen Film konnte ich außer den Ausflügen in den Kriminalfilm (Edgar Wallace) bzw. den frühen Stummfilmen von Fritz Lang oder Friedrich Murnau nie wirklich etwas anfangen. Die deutsche Filmlandschaft scheint mir für den Genrefilm nicht besonders geeignet und ich kann es absolut nicht verstehen, weshalb fast alle Anrainerstaaten großartige Produktionen auf die Beine stellen und hier nur Tatort, Bully und Til Schweiger stattfindet. 
Aber ich liebe H.P. Lovecraft und bin durch einen Zufall auf dieses Projekt, das eigentlich eine Abschlussarbeit an einer Filmhochschule werden sollte, gestoßen. Tja, und wie soll es anders sein, meine Skepsis wich schnell Begeisterung!
"Die Farbe" (2010) baut auf der Kurzgeschichte "The Colour Out of Space" von Lovecraft auf, allerdings sind Handlungsort und -zeit etwas verändert und auch sonst hielten sich die jungen Filmemacher nicht sklavisch an die Vorlage. Was sich im Nachhinein betrachtet als sinnvoll herausgestellt hat, da man Literatur dieser Machart einfach nicht direkt ins Visuelle übersetzen kann. Lovecraft verzichtet fast immer in seinen Werken auf die Darstellung expliziter Szenen. Bis auf "Shadow Over Innsmouth" fällt mir auch spontan keine andere seiner weird tales ein, wo sonst derart "actionreich" das Böse geschildert wird. Vielmehr wird auf die Imagination des Lesers gesetzt. In weiten Teilen trifft dies auch auf "Die Farbe" zu, jedoch wurde dem Unbekannten, dem Unausprechlichen ein vages Antlitz verliehen.
Die Einbettung in eine Rahmenhandlung, wie schon bei der Vorlage, erweist sich als durchaus geschickt, sodass sich die Geschichte auf mehreren Ebenen entfalten kann.
Wir befinden uns mitten in den 70er-Jahren. Ein junger Amerikaner ist auf der Suche nach seinem Vater. Dieser kehrte plötzlich an seine deutsche Wirkungsstätte im Zweiten Weltkrieg zurück. Angekommen im Dorf, trifft der Bursche auf jemanden, der mit seinem Vater zu tun hatte und ihm über die sonderbaren Ereignisse vergangener Tage berichten kann.
Wie auch in Lovecrafts Erzählung stürzt ein Objekt vom Himmel und gibt den Bewohnern des verschlafenen Dorfes Rätsel auf. Die Herren Professoren der Universität zerbrechen sich ebenso vergebens den Kopf über das fremdartige Gestein.
Die Umgebung verändert sich und auch die dort lebenden Menschen verändern sich.
Mehr soll von der durchaus spannenden, jedoch sehr ruhig und gelassen erzählten Handlung nicht verraten werden.
Wie ist nun dieser Independentstreifen umgesetzt? Die erste erfreuliche Nachricht ist: in HD. Es wurde mit einer modifizierten HD-Kamera gedreht, die nicht wie bei den meisten anderen ein TV-Bild, sondern echtes Filmbild erzeugt. Zudem ist der gesamte Film in Schwarz/Weiß gehalten, was, wie wir bei den jüngst verliehenen Oscars bemerkt haben, ganz salonfähig sein kann!
Einer Lovecraft-Erzählung verleiht dies natürlich ein wunderbares Retrogefühl und da ein großer Teil der Handlung auch vor dem Zweiten Weltkrieg spielt, passt es perfekt.
Die Filmmusik wirkt komplett professionell, ist stellenweise jedoch etwas zu laut im Vergleich zum gesprochenen Wort der Darsteller. Diese muss man in einigen Szenen doch etwas hochziehen, um den genauen Wortlaut zu verstehen. Trotzdem wird die musikalische Untermalung sparsam und dosiert eingesetzt. Es gibt etliche Momente, wo absolute Stille herrscht und sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Schauspiel richtet.
Das ist über weite Strecken ebenfalls sehr professionell. Die Hauptcharaktere können alle überzeugen, nur bei ein bis zwei Darstellern älteren Semesters, die jedoch nur sehr kurz auftreten, ist es nicht ganz so gelungen. Aber mei, sei's drum.
Ausgestattet ist der Film hervorragend. Man hat wohl auf einem Denkmalshof gedreht, auf dem etliche Häuser restauriert wurden und somit eine wunderbare Kulisse bieten. Was man nicht hatte, wurde digital eingefügt und das sieht man nicht immer auf den ersten Blick. Ein Taxi, das zu Beginn durch einen Wald fährt, das "Unbekannte" oder auch eine unheimliche Sterbeszene, entstanden am Computer. Natürlich hat das nicht die "Transformers"-Qualität, aber dadurch, dass es nicht bis zum Erbrechen eingesetzt wurde, fügt es sich wunderbar in den Schwarz/Weiß-Look ein. Klar, an einigen Stellen sieht man, dass der Hintergrund animiert ist. Bei vielen Einstellungen, wo z.B. Kirchtürme hinzugefügt wurden, sieht man es aber wirklich überhaupt nicht! 
Die Kameraführung und auch der Schnitt sind teilweise sehr raffiniert und tragen wesentlich dazu bei, dass wir es hier mit einem sehr kurzweiligen Film zu tun haben. Lovecraft-Verfilmungen haben es ja generell schwer und mir fällt auch kein Beispiel für eine gelunge Umsetzung ein, mal von den verschiedenen Hörspielversuchen abgesehen, wo das eine oder andere gute Beispiel vorhanden ist. Trotzdem schaffen es Huan Vu und Jan Roth  hier, eine wirklich liebevolle und bemerkenswerte Umsetzung zu erschaffen.
Wen der Text neugierig gemacht hat, der sollte schleunigst auf die informative Seite des Films gehen und sich den Trailer anschauen oder das direkt hier tun:
Im Shop kann man sich dann auch die verschiedenen Editionen aussuchen. Von der Blu-Ray über eine DVD bis hin zu Paketen mit der gedruckten Lovecraft-Geschichte mit Poster und Shirt ist alles dabei, was das Herz begehrt. Die Blu-Ray selbst hat ein sehr gutes Bild, das nur in manchen Szenen etwas schwächelt. Bei manchen besonders dunklen Sequenzen sieht man vereinzelte Staubkörner. Aber wie man in den Extras erfährt, wurde auch hier Hand angelegt, damit sich diese in Grenzen halten. Überhaupt kann ich die Extras sehr empfehlen. Hier gibt es neben erweiterten Szenen auch Trailer und  Features zur Entstehung des Films. Aus dem Off werden die Drehtage beleuchtet und man bekommt einen sehr guten Eindruck über den Aufwand. Ebenfalls vorhanden ist ein Extra mit den Spezialeffekten, die für den einen oder anderen Aha-Effekt sorgen sollten.
Wer also Lovecraft liebt und etwas für unheimliche, aber ästhetische Filme übrig hat und das eine oder andere Auge hinsichtlich der Umsetzung durch ein begrenztes Budget zudrücken kann, der sollte hier nicht Nein sagen. Ich bin jedenfalls froh, dass ich den Schritt gewagt und mir endlich dieses Kleinod nach Hause geholt habe. 
Die Lovecraft-Geschichte selbst kann man natürlich auch kostenlos und legal (auf Englisch) im Internet lesen.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Suspiria (1977)


Bis vor ein paar Jahren hätte der Name "Argento" noch Schulterzucken bei mir ausgelöst, aber sobald man beginnt sich mit dem italienischen Kino auseinanderzusetzen, kommt man nicht mehr an ihm vorbei, da er in unterschiedlichen Genre unterwegs war, einen ziemlich beachtlichen Output hatte und stilprägende Kunstwerke geschaffen hat. 
Im Gegensatz zu seinen Frühwerken, wie "Die neunschwänzige Katze" (1971), ist "Suspiria" (1977) kein Giallo, obwohl Argento einige Elemente daraus verwendet. Aber ein echter Geisterfilm ist "Suspiria" auch nicht. Wenn man Schubladisieren möchte, würde wohl die passendste Überschrift "Phantastischer Horrorfilm" sein, auch wenn man damit nur grob das Gezeigte umreißen kann.
"Suspiria" ist der erste Teil der "Mütter"-Trilogie, die erst 2007 mit "Mother Of Tears" ihren Abschluss fand. Es geht um eine junge Dame, Suzie Bannion, gespielt von Jessica Harper, die sich im schönen Freiburg einer renommierten Tanzschule anschließen möchte. Dafür ist sie extra aus den Staaten eingeflogen und schon bei ihrer Ankunft am Flughafen schlägt ihr ungastliches Wetter entgegen, unfreundliche Taxifahrer und der Einlass zur Schule bleibt ihr vorerst verwehrt. Dafür bekommt sie eine handfeste Auseinandersetzung einer Schülerin mit, die brüllend das Gemäuer verlässt und durch den Wald abzischt. Im Folgenden sehen wir, wie die aufgebrachte Tänzerin sich zu ihrer Freundin in ein Hotel oder Gasthaus gesellt und wie ein bis ins letzte Detail durchkoreographierter Mord stattfindet. Suzie kehrt am nächsten Morgen erneut in der Tanzschule ein und erlebt in den folgenden Tage eine seltsame, fiebrige und fremde Welt, die voller Geheimnisse und Rätsel ist.
Die Ausgangssituation ist sicherlich nicht besonders aufregend und beim ersten Mal empfand ich den Plot stellenweise auch als recht einfallslos. Im Grunde handelt es sich um eine sehr leise Erzählung, die sich mit dem Aufbau Zeit lässt, jedoch terrorartig mit fast schon rituellen Morden durchsetzt ist. Was Suspiria so besonders macht, ist die Inszenierung und hier vor allem der rauschhafte Einsatz von Primärfarben. Schon in der zweiten Szene, als Suzie im Taxi sitzt und zum Anwesen gefahren wird, bleiben blaue, rote und gelbe Farben auf der durchnässten Scheibe hängen und tauchen die Welt in einen seltsamen, phantasiehaften Schleier. Es wird somit schon frühzeit darauf hingewiesen, dass irgend etwas mit dem Ort oder den Begebenheiten nicht stimmt. Aber nicht nur durch den außergewöhnlichen Lichteinsatz, der vor allem in Räumen besonders zur Geltung kommt, beeindruckt Argento sein Publikum. Die Kameraarbeit und hier besonders das Spiel mit den Spiegeln, Flächen und Formen, Licht und Schatten, ist außerordentlich gelungen!
Die Architektur der Tanzschule, aber noch viel mehr die geometrischen Muster des Hotels der ersten Morde, wirken fast schon künstlerisch und bilden einen seltsamen Kontrast zu der gezeigten Brutalität. So hängt am Ende der Szene eine Frau am Strick im Nachthemd von der Decke, aber in so einem Winkel nebst der rosa-weiß gemusterten Decke, dass die Einstellung fast wie ein gerahmtes Bild wirkt. Wie ja von Argento bekannt sein dürfte, übertritt er mit den gezeigten Tötungsszene die Schwelle zwischen physischer Gewalt und assoziierter Schönheit. Mit "Mord als Kunstwerk" könnte man dieses erzeugte Dilemma umschreiben, denn durch das auffällig grelle Kunstblut, wird eine Distanz zur Realität erschaffen, die die Verwendung von Kategorien wie "schön" erst möglich machen. Wobei das natürlich auch immer im Auge des Betrachters liegt. Ganz zentral für diese Szenen ist auch der musikalische Einsatz und hier muss ich wirklich sagen, dass ein sagenhaftes Meisterwerk komponiert wurde. Hört sich das Hauptthema zu Beginn noch nach einem kindlichen "lalala" mit Glockenklang an, werden die Worte schon bald aspiriert, verzerrt und übersteuert, so dass es sich schließlich nach einen gequälten Hexenschrei anhört. Bei vielen Black Metal Bands hört sich der Gesang nicht anders an und 77 war daran noch gar nicht zu denken! Dazu gesellen sich progressivrockige Klänge und in den Mordszenen unerträgliche Noisemomente. Durch den Crescendoaufbau dieser den Zuschauer terrorisierenden Klangteppiche, wirkt der Mord und die mit ihm einhergehende Stille, fast schon erlösend.
Wer der Mörder ist, das bleibt ein Geheimnis, da über die wirkenden Mächte nicht besonders viel verraten wird. Erst mit dem zweiten Teil "Inferno" (1980) wird man mehr über den Mythos der Mütter erfahren. Somit bleibt die Motivation unklar, was ebenfalls dazu führt, dass der Zuschauer unsicher bleibt. 
Wie bei fast allen Argentofilmen spielen Tiere eine Rolle. Sind es in anderen Filmen Katzen oder Ratten, so kommt einem Schäferhund in "Suspiria" eine zentrale Bedeutung zu. Dessen blinder Besitzer, gespielt von Flavio Bucci, legt sich mit den gemeinen Tanztanten an, wird rausgeschmissen, schaut sich ein paar bayerische Ureinwohner an und befindet sich schließlich auf dem Nachhauseweg. Auf einem riesigen Platz fällt sein Hund den dunklen Mächten anheim und wird zur dämonifizierten Bestie. Auch hier darf man eine außergewöhnliche Kameraarbeit bewundern, die in Ergänzung mit der klasssichen Musik eine ganz und gar sonderbare Atmosphäre erschafft.
Alida Valli spielt die unerbittliche Miss Tanner, die nicht nur eine diabolische Frisur mit Teufelshörnchen kennzeichnet, sondern auch einen derart harten und durchdringenden Blick, dass sie auch den Belzebub höchstpersönlich verkörpern könnte. Macht man sich jedoch auf die Bildersuche und schaut sich vor allem die Arbeiten aus ihren Anfangstagen an, möchte man fast meinen, dass es sich dabei um eine komplett andere Person handelt. Denn grade in den 30er und 40er Jahren machte sie einen sehr weichen und freundlichen Eindruck. 
die diabolische Alida Valli 
die sanfte Alida Valli 
Frauen spielen in "Suspiria" generell eine wichtige Rolle. So sind alle bedeutenden Personen in der Tanzschule durch Damen verkörpert. Eine wirkliche herausstechende männliche Rolle gibt es praktisch nicht. Auch die Macht liegt ganz bei ihnen und zwar auf beiden Seiten. Alida Valli ist jedenfalls eine ausgezeichnete Wahl gewesen und beeindruckt durch ihr dominantes Schauspiel.
Ein Bekannter deutscher Schauspieler tritt dann aber auch noch kurz auf und wird Suzie gegen Ende  zur Seite gestellt: der gute Udo Kier. Allerdings beschränkt sich sein Einsatz nur auf die seelische Unterstützung, die er als Dr. Frank Mandel Suzie zukommen lässt.
Mit Renato Scarpa als  Prof. Verdegast hat man dann noch einen Typen besetzt, der locker auch ein verrückter Wissenschaftler aus einem Arbeitslager sein könnte. Mit seiner schmierigen und widerlichen Art steht auch er auf der dunklen Seite des Mächtegefüges.
Bemerkenswert, dass diese fast schon zerbrechlich wirkende und fragile Persönlichkeit der Suzie es im Prinzip im Alleingang mit diesen finsteren Gestalten aufnimmt. Man kann sicherlich mit Fug und Recht behaupten, dass es in "Suspiria" zwar nicht um die Emanzipation der Frau geht, man unterschwellig aber den Eindruck gewinnt.
Nachdem ein Stockwerk wegen Madenbefall kurzzeitig nicht mehr bewohnbar ist, werden die Damen in die Eingangshalle geführt um dort hinter riesigen Vorhängen zu nächtigen. Natürlich lässt es sich Argento auch hier nicht nehmen mit den Farben zu spielen und die wohl unheimlichste Figur im Ensemble einzuführen: die Mutter. Mit den keuchenden und fast schon sterbenden Geräuschen schleicht sie nur Nachts durch die Flure und legt sich direkt hinter unserer Protagonisten nieder.
Auch hier bleibt zunächst völlig unklar, was es damit auf sich hat.
Das Ende ist in seiner Dramarturgie ausreichend ausufernd, so dass der Normalzuschauer mit dem Gezeigten zurfrieden sein sollte, aber viel mehr der Einsatz von Spiegeln und der Umgang mit den Kulissen macht ihn so besonders.
Unterm Strich ein außergewöhnlicher italienischer Film, der mich nach der Erstsichtung verstört und empört zurückließ, weil ich auch etwas völlig anderes erwartet hatte. Lässt man sich allerdings auf "Suspiria" ein und akzeptiert, dass es sich um ein rauschhaftes Märchen voller Farben und  Melodien handelt, wird man bestens unterhalten und vielleicht sogar beeindruckt. Dringend sollte sich aber jeder Kostverächter noch einmal unter dieser Prämisse den Streifen anschauen, um nicht vielleicht doch in den Bann dieses unheimlichen Filmes zu geraten.
Für aufgeschlossene Gemüter also eine klare Empfehlung, auch wenn es zunächst sperrig sein kann und mit den Sehgewohnheiten bricht. Es lohnt sich! Kurz noch zwei Worte zur mir vorliegenden Veröffentlichung. Dabei handelt es sich um ein schönes Digipack von Dragon mit ansprechender Gestaltung, allerdings mittelmäßiger Ausstattung. Leider finden sich keine Extras auf der Scheibe, aber ein sehr interessanter Text von Robert Zion im Booklet. Dafür sind Bild und Ton für eine DVD sicherlich ganz ok. Bei einigen Szenen musste wohl Nachsynchronisiert werden, was dazu führt, dass Frau Harper plötzlich eine sehr viel tiefere Stimme hat. Eine Bluray Auswertung sollte hier allerdings ebenfalls drin sein.
Wie wunderbar, dass dieser Tage mit "Inferno" (Feuertanz - 1980) der zweite Teil in einem wunderschönen Mediabook erschienen ist und gesehen werden möchte. Eine auführliche Besprechung auch zum Bonusmaterial wird in den nächsten Tagen folgen!

Dienstag, 28. Februar 2012

Die Switchblade Sisters kommen noch schärfer nach Deutschland

Grade trudelte die Info rein, dass Subkultur Entertainment den Jack Hill Film "Switchblade Sisters" (Die Bronx-Katzen - 1975) auch als BluRay veröffentlichen werden! Für eine üppige Ausstattung soll ebenfalls gesorgt werden.
Außerdem gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Qualität in 2 Screenshots:
Draufklicken, um den gewaltigen Unterschied zu bestaunen
Außerdem noch eine kleine Ergänzung in eigener Sache: Zombiebunker auf Facebook. Damit die Nachrichten direkt in das soziale Netzwerk gerollt werden können. Kann, muss man aber nicht.

Samstag, 25. Februar 2012

Noch ein TV-Tipp: ZDFkultur bringt heute "Bloody Mama" (1970)

Dieser Tage werden die Freunde der Exploitationkunst im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen regelrecht verwöhnt! Heute Abend (25. Februar 2012) um 23:55 Uhr strahlt ZDFkultur den Film "Bloody Mama" (1970) von Roger Corman aus! Natürlich klingeln da die Glocken, weil es sich um den gleichen Stoff, wie schon bei dem genialen "Ma Barker's Killer Brood" (1960) handelt!

Freitag, 24. Februar 2012

Hitchcock auf ARTE in HD



Noch ein kleiner Fernsehtipp für die nächsten Tage:

  • "Spellbound" (Ich kämpfe um dich - 1945) am 26. Februar 2012 um 20.15 Uhr. (Wiederholungen am 01.03.2012 um 00:25)
  • "Shadow of a Doubt" (Im Schatten des Zweifels - 1943) am 27. Februar 2012 um 20.15 Uhr. (Wiederholungen am 28.02.2012 um 01:50 oder 29.02.2012 um 14:50)
  • "Saboteur" (Saboteure - 1942) am 27. Februar 2012 um 22.00 Uhr

Donnerstag, 23. Februar 2012

Arte zeigt "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011)

Endlich hat es sich mal gelohnt GEZ zu berappen! Arte zeigt am 10. März 2012 die Dokumentation "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011) in Vorbereitung auf die im Sommer fortgesetzte Trashfilm Reihe. 8 Streifen sollen darin präsentiert werden und losgehen wird es am 7. Juli 2012.
Neben der Doku des Großmeisters, wird außerdem noch:  "Bud’s Best. Le monde de Bud Spencer" am 17. März , "Christopher Lee, l’élégance des ténèbres" am 24. März und "Ma vie – Udo Kier" am 31. März gezeigt!

Sobald die Filmtitel bekannt gegeben werden, gibt es hier einen Post. Bis dahin werde ich das TV-Geschehen etwas intensiver beobachten und die Filmtipps fortsetzen!

Mittwoch, 22. Februar 2012

The Toy Box (Sexualrausch - 1971)


Die Grindhouse Collection füllt sich. Nachdem bei "Beast Of Blood" (Drakapa, das Monster mit der Krallenhand - 1970) der Halbzeitstand von 1:0 für den Zuschauer gezählt werden konnte, befinden wir uns mittlerweile in der zweiten Hälfte der Box und auf uns wartet ein Heuler sondergleichen. "The Toy Box" (1971) ist definitiv nichts für schwache Nerven, Großbrustklaustrophobiker oder Menschen mit Geschmack. Die unterste Schundschublade wurde aufgezogen und sie lässt sich nicht mehr schließen. Der Mock aus trippigen Bildern, Schmuddelkram und dem großen Onkel weht einem entgegen.
Der Streifen ist irgendwo zwischen Thriller, Sexfilm, psychodelischem Drogenexperiment und Gothichorror zu verorten. Außerdem bringt es "The Toy Box" auf zwei besonders schlagende Argumente: Uschi Digard - die Sleazekönigin!
Die schwedische Erotikdarstellerin wird in dieser Edition auch direkt mit Extras in Form von enthaltenen Loops und einer Postergalerie gekrönt. Für eines ist also definitiv gesorgt: Sleaze und zwar in Strömen.
Wie bei jeder Grindhouse-DVD haben wir die Option, waschechtes Bahnhofskinofeeling im Wohnzimmer zu erleben. Im Trailerreel sind dieses Mal ein schlüpfriger Schmuddelstreifen, ein Djangowestern, ein Abenteuerfilm mit exotischen Frauen und einiges mehr. Unappetitlich Frittiertes versucht uns das letzte Essen zu entlocken und ein Mann mit Handschuhen, der wenig von Gendern hält, huscht durchs furniermöblierte Retrozimmer. 
Die Dame
Sobald der "Abspielknopf" betätigt wurde, erleben wir einen bizarren Vorspann und schon entspinnt sich ein desorientiertes Sozialdrama.
Die Handlung:
Ein Pärchen befindet sich auf einem Anwesen. Das Anwesen des Onkels! Und dieser Onkel ist ein ausgesprochen sonderbarer Zeitgenosse. Denkt der Zuschauer zu Beginn noch, dass hier ein Typ eine Schnapsdrossel zur Frau hat, die ihn mit ihrer Selbsterniedrigung nervt, wird schnell klar: Das hat System! Denn, wie die anderen Hippies in den kissengepflasterten Räumlichkeiten, sind sie nur vom Onkel engagierte Performer, die für ihn Schweinereien darbieten. Und damit ist im Grunde genommen schon die komplette Story verraten.
Aber wer ist der mysteriöse Onkel? Ein weißbärtiger, alter Sack mit zugekleisterten Augen, der über Lautsprecher und Blinklichter mit seinem eingeladenen Hippievolk kommuniziert und sie nach getaner Arbeit mit Kohle aus der Spielbox entlohnt. Ob er noch lebt oder was der ganze Zirkus soll, man weiß es nicht.
Der Onkel
Die Handlungsorte erstrecken sich von den erwähnten Räumen im gotischen Anwesen, auf eine rot ausgeleuchtete Treppe und das Zimmer des Onkels, das hektoliterweise mit Nebel geschwängert wurde. Ach, und die eine oder andere Außenszene. Das kommt allerdings eher selten vor. Wie es sich für einen Exploitationfilm gehört, also mit einem Etat, der dem Wort Budget spottet, weniger begabten Schauspielern und schlichten Kulissen. Irgendwann nach der dritten oder vierten Sexszene fängt es schließlich an, verrückt zu werden, Köpfe erscheinen auf Tischen oder fallen von der Decke und Leute verschwinden oder bringen sich gegenseitig um! Unser Protagonistenpärchen blickt als erstes die Lage, aber die druffen Hippies wollen natürlich nicht hören und pimpern fröhlich weiter. Sie sind alle verdammt!
Oh weija und wenn man sich dann noch die ebenfalls auf der Scheibe enthaltene US-Version von "The Toy Box" reinzieht, wird man mit noch ganz anderen Absonderlichkeiten beglückt. Liebesspiele im Wasserbad und kleine Aufmerksamkeiten, die man in den 70ern gern der Frau geschenkt hat.
Die Uschi (begrabbelt vom übernatürlichen Bett)
Der Film hat es sicherlich nicht leicht, weil durch die Sexszenen doch viel Tempo aus der ohnehin schon mageren Handlung genommen wird. Trotzdem wirkt die Umgebung mit dem seltsamen Onkel hinreichend obskur, damit man einigermaßen fasziniert von den absurden Einfällen des Regisseurs Ronald Víctor García ist. Der Name passt im Übrigen zum Film wie die Faust aufs Auge. Es bedarf also ein wenig Ausdauer und Durchhaltevermögen, um diesen Heuler schadlos zu überstehen. Wer das schafft, wird allerdings mit netten Einfällen, Uschi und einer unmöglich vorhersehbaren Wendung belohnt. Apropos Uschi, die hat dann noch eine ganz bizarre Szene, in der sie vom sich im Kreis drehenden Bett am Busen begrabbelt wird.
Zur Ausstattung:
Die Bildqualität des Films ist ausgezeichnet. Knackige Farben und eine angenehme Schärfe schmücken das Bild neben vereinzelten Verschmutzungen, die allerdings im Gegensatz zu anderen Grindhousefilmen dieses Mal sehr selten vorkommen. Hier wurde mal wieder herausragende Arbeit vom Restauratorenteam geleistet. Auch der Ton ist sehr klar, kaum Rauschen und nur in ganz wenigen Szenen knistert es ein wenig. Aber bei 40 Jahren, die so eine Gurke auf dem Buckel hat, wäre es nicht verwunderlich. Die grandiose Musik, mit teilweise exzessivem Hammondorgeleinsatz, kann also genossen werden.
Das größte Schmankerl wird für die meisten sicherlich der Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Kessler sein. Rotation im AK ist grundsätzlich zu befürworten und hier haben sich zwei Schnacker gefunden, die zum Ende hin zu absoluter Höchstform auflaufen! Neben vielen, vielen Informationen zu Darstellern darf natürlich die bekannte Situationskomik nicht fehlen und so werden die Lachmuskeln ein ums andere Mal bemüht.
Die Meute
Der streckenweise ermüdend wirkende Film wird so noch einmal um ein Vielfaches aufgewertet und lädt damit zu einer erneuten Sichtung ein. Auch beim Booklet gibt es einen neuen Schreiber, Caspar Lein, der unter dem Motto "Boobs from outer space" den Werdegang der eingangs erwähnten Uschi Digard nachzeichnet, eindrucksvoll bebildert und mit der nötigen Zotendichte. Optisch ist das Cover wunderbar und die Lady konnten wir ja schon auf dem Schuber vor über einem Jahr bewundern. Hier wurde einmal mehr beste Arbeit geleistet!
Die US-Fassung ist dann noch einmal ganze 12 Minuten länger und gibt dem Film eine gänzlich andere Note. Während man in der deutschen Fassung durch Kommentare aus der Off versucht hat, die gezeigte grafische Nudität zu verharmlosen bzw. an den Pranger zu stellen, lässt man das in der Amifassung natürlich sein. Auch die komplette Botschaft des Films wird so grundsätzlich verändert, sodass man "The Toy Box" durch die mahnenden Kommentare als waschechte Konsumkritik und Aufruf zur Suffizient bezeichnen könnte. Aber wie wir alle wissen, ist das natürlich gnadenlos an den Haaren herbeigezogen, denn bei einem derart sensationell inszenierten Film will man dem Zuschauer nur Sex, Gewalt und Horror bieten. Trotzdem lassen sich dadurch natürlich kulturhistorisch interessante Unterschiede herausstellen, wenn man das denn mag.
"The Toy Box" ist jedenfalls keine Sternstunde der Kinokunst und man ist gut beraten, wenn man ihn in keinster Weise ernst nimmt. Wer allerdings einen Hang zu alten, angestaubten Graupen hat, der wird bestens unterhalten und durch die wertige Aufmachung sowohl in Sammlerleidenschaft als auch im Hinblick auf den filmhistorischen Hintergrund befriedigt.
Wem "Curse Of The Crimson Altar" (1968) zu zahm war, "A Scream In the Streets" (1973) was abgewinnen konnte und Freude an ständiger Ambiguität zwischen Realität und Fiktion hat, dem sei er hiermit empfohlen!
Eine gelungene Veröffentlichung! Fans der Serie greifen zu, der Rest spielt Probe. ;)
Das Ende

Dienstag, 21. Februar 2012

Ein Neues Label am Schundfilmfirmament: Edition Tonfilm

Ahoi! 
Nein, der Schlüssel wurden nicht verloren, der Bunker hat einen kleinen Winterschlaf benötigt, aber hiermit ertönt der Startschuss für eine Reihe von Besprechungen und Ankündigungen, die in den kommenden Wochen folgen. Ich habe hier einen riesigen Stapel mit phantastischen Streifen, die gesehen werden möchten und nachdem ich endlich den kompletten Berg an Arbeit bewältigt habe, steht dem Spaß nichts mehr im Wege. An dieser Stelle auch mal ein riesiges Dankenschön an die regelmäßigen Besucher. Trotz Contentschwund immer noch täglich im 3-stelligen Bereich, ich verneige mich!
Und womit könnte man diese Initialzündung am besten verbinden, als mit ANKÜNDIGUNGEN.
Eine neue deutsche Schmiede tritt auf den Plan, nennt sich Edition Tonfilm und wird uns wohl in Zukunft mit schmackhaften Veröffentlichungen versorgen.
Die ersten beiden stehen unmittelbar vor der Veröffentlichung bzw. wurden kürzlich herausgebracht. Es handelt sich um: "The Screaming Skull" (Das Geheimnis des schreienden Schädels - 1958)

Und "Una sull'altra" (Nackt über Leichen - 1969):


Das Artworkt erinnert sehr stark an bisherige Veröffentlichungen von Subkultur oder dem Trivialfilm. Da hätte ich mir doch gern etwas Eigenständigeres gewünscht.  Limitiert sind die Dinger ebenfalls und ich hoffe, dass hier mit Liebe zum Detail gearbeitet wird, obwohl nicht wirklich viel Bonusmaterial dabei ist.
Ob das neue Label etwas taugt, werden wir in den nächsten Wochen erfahren, wenn die Scheiben bei mir eintrudeln und ich sie auf Herz und Nieren geprüft habe.
Außerdem bekommt "Zinksärge für die Goldjungen" (1973) endlich die langersehnte Special Edition von filmArt. Der Schuber macht ebenfalls einiges her, auch wenn ich das Cover der Vanillaedition noch etwas schöner finde:

Last but not least erscheint auch endlich "Inferno" (Feuertanz - Horror Infernal - 1980), das von Camera Obscura angestoßen wurde und jetzt über Koch Media als 3er Blu-Ray erscheinen wird. Hier muss ich allerdings noch etwas warten, weil sonst das Budget komplett gesprengt wird.
Bleiben Sie dran! Cheerio!